Wie funktioniert eine Zufallsauswahl?

Würfel

„Zufällig ausgewählt“ wurden die Teilnehmer*innen, heißt es immer in unseren Texten. Aber was bedeutet denn diese Zufallsauswahl? Für unsere Bürgerversammlung nahmen wir gemeinsam mit dem Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung an der Bergischen Universität Wuppertal (IDPF) eine Zufallsauswahl vor. Damit stellten wir sicher, dass viele unterschiedliche Interessen und Lebenslagen aus dem Revier vertreten sind.

Richtet sich der Aufruf zur Beteiligung ganz allgemein an alle Bürgerinnen und Bürger – so zeigt die Erfahrung – fühlen sich meist politisch interessierte Menschen mit einem höheren Bildungsgrad berufen, teilzunehmen. So dominieren hier eher artikulationsstarke gesellschaftliche Gruppen mit ihren spezifischen Interessen. Junge Menschen oder Menschen mit weniger finanziellen oder zeitlichen Ressourcen bleiben oft außen vor. Im Unterschied zu dieser so genannten Selbstselektion lässt sich der Zugang zu Bürgerbeteiligung aber auch beeinflussen. Dies geschieht durch eine gezielte, z.B. eine zielgruppenspezifische Auswahl oder eine Zufallsauswahl.

Mit der Art der Auswahl wird bestimmt, wie sich der Kreis der Teilnehmenden zusammensetzt. Dies wiederum bestimmt auch Qualität und Reichweite der Beteiligungsergebnisse maßgeblich. So zeigt die Partizipationsforschung immer wieder, dass sowohl der Wille als auch die Fähigkeit zur Beteiligung in den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Lebenslagen höchst ungleich verteilt sind. Diese Bereitschaft hängt z.B. vom politischen Interesse, vom Thema, vom Zeitpunkt und -aufwand ab, aber auch von den finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Personen.

Ziel ist, dass Menschen unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen beruflichen, privaten, religiösen und kulturellen Hintergründen und damit höchst unterschiedlichen Lebensstilen und Interessenslagen in der Beteiligung repräsentiert sind. Auf diese Weise können Ergebnisse mit hoher Aussagekraft und sozialer Tragfähigkeit erarbeitet werden.

Legofiguren

 

Wer nahm an der Bürgerversammlung BioökonomieREVIER teil?

Für die Bürgerversammlung BioökonomieREVIER wählte das IDPF insgesamt 3000 in der Region wohnhafte Personen über 16 Jahre zufällig aus dem Einwohnermelderegister aus. Da es sich um ein in der Zukunft wichtiges und bestimmendes Thema handelt, wurde versucht, die jüngere Generation etwas stärker zu berücksichtigen. All diesen Personen wurde eine Einladung zur Bürgerversammlung per Post zugestellt. Aus allen etwa 300 Interessierten, die sich zurückmeldeten, wurden wieder nach dem Zufallsprinzip 100 Personen ausgewählt, die nach den Kriterien Wohnort, Alter und Geschlecht eine möglichst vielfältige Gruppe darstellten.

An der Online-Veranstaltung haben sich 48 Bürger*innen eingewählt und sind bis zum Ende geblieben. Eine erste Auswertung zeigte, dass bei der Altersstruktur und den Wohnorten ein breites Spektrum verzeichnet werden konnte, während der Bildungsgrad der Teilnehmenden überdurchschnittlich hoch war. Am Ende kann die Zufallsauswahl zwar keine hundertprozentige statistische Verteilung garantieren – aber dafür sorgen, dass eine große Bandbreite an Perspektiven und Sichtweisen vertreten sind.

 

Veränderter und gekürzter Artikel von Nora Freier, Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF), Bergische Universität Wuppertal